Psychoanalytisch orientierte Psychotherapie erklärt 


 

Herzlich willkommen! In diesem Blogbeitrag möchte ich Ihnen die psychoanalytisch orientierte Psychotherapie näherbringen – eine besondere Form der Psychotherapie, die auf den Erkenntnissen der klassischen Psychoanalyse aufbaut. 

Auch in der Praxis Klemens Hadraba, der Praxis für Psychotherapie Mödling, kommt diese Behandlungsmethode zum Einsatz. Lesen Sie weiter, um mehr über das Verfahren der psychoanalytisch orientierten Psychotherapie zu erfahren. 

 

Grundprinzipien der psychoanalytisch orientierten Psychotherapie 

Die psychoanalytisch orientierte Psychotherapie basiert auf den Ideen der klassischen Psychoanalyse nach Sigmund Freud. Zentrales Prinzip ist dabei, dass seelische Probleme häufig durch unbewusste Konflikte und verdrängte Erlebnisse verursacht werden . Diese verborgenen inneren Konflikte können im Erwachsenenalter zu psychischen Symptomen führen – beispielsweise anhaltenden Ängsten, Depressionen oder Beziehungsschwierigkeiten. 

In der Therapie geht es nun darum, das Unbewusste bewusst zu machen. Durch das Gespräch zwischen Therapeut und Patient:in werden vergangene Erfahrungen, Gefühle und Gedanken reflektiert. Stück für Stück können so unbewusste Motive, alte Verletzungen und festgefahrene Handlungsmuster erkannt werden. Sobald den Betroffenen diese Hintergründe klarer werden, können sie neue Lösungswege finden und ein inneres Gleichgewicht wiederherstellen . 

 

Ein weiterer Grundpfeiler ist die therapeutische Beziehung: In der sicheren, vertrauensvollen Atmosphäre der Therapie können Patient:innen offen über alles sprechen, was sie bewegt. Der Therapeut hört einfühlsam zu, stellt gelegentlich Fragen oder gibt behutsame Denkanstöße. Es wird keine direkte Beratung oder schnelle Ratschläge geben – vielmehr begleitet der Therapeut die Patient:innen dabei, eigene Erkenntnisse zu gewinnen und tiefer in ihre Gefühlswelt einzutauchen. Dieser Prozess erfordert Geduld, bietet aber die Chance auf nachhaltige Veränderungen in der Persönlichkeit und im Erleben. 

Unterschiede zu anderen Therapieformen 

Wie unterscheidet sich nun die psychoanalytisch orientierte Psychotherapie von anderen Ansätzen? Einige wichtige Unterschiede lassen sich klar benennen: 

 

  • Tiefe statt Oberfläche: Anders als etwa die Verhaltenstherapie, die vor allem auf das Hier und Jetzt und die konkrete Veränderung von Denkmustern und Verhalten abzielt, geht die psychoanalytische Therapie tiefer . Sie legt den Fokus auf das Aufdecken verborgener Konflikte und die Aufarbeitung vergangener Erfahrungen, anstatt primär Symptome durch Übungen oder Trainings zu lindern. Das heißt, es wird mehr nach den Ursachen hinter den Problemen gesucht, anstatt nur an den sichtbaren Symptomen zu arbeiten.
  • Therapeutenrolle: In psychoanalytischen Therapien ist der Therapeut eher zurückhaltend. Er oder sie gibt keine direkten Handlungsanweisungen, sondern lässt viel Raum für die eigenen Gedanken und Gefühle der Patient:innen. In anderen Therapieverfahren (z.B. der systemischen Therapie oder Verhaltenstherapie) kann die Rolle desder Therapeut*in aktiver oder beratender sein – etwa durch konkrete Tipps, Hausaufgaben oder Übungen. Die psychoanalytische Methode dagegen setzt auf Selbsterkenntnis: Die Idee ist, dass die Lösungen aus der Person selbst heraus entstehen, sobald die unbewussten Prozesse bewusst geworden sind.
  • Setting: Während man bei der klassischen Psychoanalyse häufig das Bild vom Patienten auf der Couch vor Augen hat, findet die psychoanalytisch orientierte Psychotherapie meist im Sitzen, von Angesicht zu Angesicht, statt . Das Gespräch wirkt dadurch dialogischer und alltagsnäher. Auch ist die Frequenz der Sitzungen meist geringer: Oft trifft man sich ein- bis zweimal pro Woche anstatt täglich oder mehrmals wöchentlich. Diese Anpassungen machen die Methode moderner und praktikabler für den Alltag vieler Menschen.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Die psychoanalytisch orientierte Psychotherapie ist tiefenpsychologisch ausgerichtet, jedoch etwas flexibler und fokussierter auf die heutige Lebenssituation als die klassische Psychoanalyse. Sie verbindet also das Beste aus zwei Welten – tiefgehende Selbstexploration und Erkenntnisgewinn, aber in einem Rahmen, der im Leben von heute umsetzbar ist. 

Für wen ist diese Therapieform geeignet? 

Ob diese Therapieform passend ist, hängt immer von der individuellen Situation ab. Generell gilt jedoch: Psychoanalytisch orientierte Psychotherapie kann für viele Menschen hilfreich sein, besonders wenn die seelischen Probleme tiefergehend oder langwierig sind. Hier einige Beispiele, für wen diese Therapie geeignet sein kann: 

 

  • Menschen mit lang andauernden oder wiederkehrenden Beschwerden: Wenn jemand seit Jahren unter Depressionen, Angststörungen oder psychosomatischen Beschwerden leidet und andere kürzere Therapien nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben, kann ein psychoanalytischer Ansatz sinnvoll sein . Durch das intensive Arbeiten an den Wurzeln des Problems besteht die Chance, dauerhafte Besserung zu erzielen.
  • Schwierige Beziehungsmuster: Oftmals zeigen sich Probleme in wiederkehrenden Konflikten in Beziehungen – sei es in Partnerschaften, Freundschaften oder im familiären Umfeld. Wer feststellt, dass sich bestimmte Muster im zwischenmenschlichen Bereich ständig wiederholen (z.B. immer wiederkehrende Streitmuster oder das Gefühl, sich in Beziehungen selbst zu sabotieren), kann in einer tiefenpsychologischen Therapie diesen Mustern auf den Grund gehen und neue Wege im Umgang damit finden.
  • Verarbeitung von Belastungen aus der Vergangenheit: Personen, die traumatische Erlebnisse in der Kindheit oder Jugend hatten, tragen häufig unbewusste Wunden mit sich. Eine psychoanalytisch orientierte Psychotherapie bietet einen Raum, in dem solche frühen Erfahrungen behutsam aufgearbeitet werden können. Durch das Verstehen der Vergangenheit lässt sich oft die Gegenwart besser bewältigen.
  • Selbsterkenntnis und Persönlichkeitsentwicklung: Nicht nur bei klar definierten Störungsbildern ist diese Therapie angezeigt. Auch wer den Wunsch nach tiefem Verständnis der eigenen Person hat – z.B. warum man immer wieder in bestimmte Lebenskrisen gerät oder welche unbewussten Wünsche einen antreiben – kann von dieser Therapieform profitieren. Psychoanalytische Therapie muss nicht erst bei schwerer Krankheit beginnen; sie kann auch zur persönlichen Weiterentwicklung dienen und dabei helfen, verborgene Potenziale zu entfalten.

 

Ablauf einer typischen Behandlung 

Wie läuft nun eine psychoanalytisch orientierte Psychotherapie konkret ab? Zwar ist jeder Therapieprozess individuell, aber es gibt gemeinsame Grundelemente im Ablauf, die wir hier schildern: 

 

1. Erstgespräch und Kennenlernen: Zu Beginn findet ein oder mehrere Erstgespräche statt. In diesen Sitzungen lernen Sie und der Therapeut sich kennen. Sie haben Gelegenheit, über Ihre Anliegen, Symptome und Lebenssituation zu berichten. Ebenso können Sie alle Fragen stellen, die Sie zur Therapie haben. Dieses Kennenlernen dient dazu, Vertrauen aufzubauen und gemeinsam zu entscheiden, ob die psychoanalytisch orientierte Methode für Sie geeignet scheint. In der Regel werden auch organisatorische Dinge besprochen – zum Beispiel Häufigkeit der Sitzungen, Honorar und Absagemodalitäten. 

 

2. Start der Therapie – regelmäßige Sitzungen: Wenn Sie sich für die Therapie entscheiden, beginnt die eigentliche Behandlung mit regelmäßigen Sitzungen. Typischerweise findet die Therapie ein- bis zweimal pro Woche statt . Sie und Ihre Therapeutin sitzen sich gegenüber in einem ruhigen Raum. Eine Sitzung dauert meistens 50 Minuten (die „therapeutische Stunde“). Zu Beginn jeder Stunde können Sie frei ansprechen, was Sie gerade beschäftigt – es gibt keine feste Agenda. Oft eröffnet der/ die Patient:in das Gespräch, und der Therapeut folgt den Themen, die sich zeigen. 

 

3. Freies Assoziieren und Themenschwerpunkte: In den Sitzungen ermutigt der Therapeut, frei zu assoziieren – das heißt, alles auszusprechen, was Ihnen in den Sinn kommt, ohne innere Zensur. Dieses freie Sprechen ermöglicht es, dass auch verborgene oder überraschende Gedanken auftauchen dürfen. 

4. Reflexion und Deutung: Ein wichtiges „Werkzeug“ in der psychoanalytischen Therapie ist das Deuten von Erlebtem. Wenn z.B. auffällt, dass Sie in der Therapiesitzung zögerlich über ein bestimmtes Thema sprechen, könnte der Therapeut vorsichtig darauf hinweisen und gemeinsam mit Ihnen überlegen, was diese Zurückhaltung bedeuten könnte. Vielleicht gab es in Ihrer Vergangenheit Situationen, in denen es nicht erlaubt war, offen über dieses Thema zu reden. Solche Deutungen bieten keine fertigen Antworten, aber sie regen an, eigene Erkenntnisse zu gewinnen. Viele Patient:innen empfinden es als sehr erhellend, wenn sie nach und nach verstehen, warum sie fühlen und handeln, wie sie es tun. 

Während des gesamten Therapieverlaufs stehen Ihre Sicherheit und Ihr Wohlbefinden im Vordergrund. Alles, was in der Therapie besprochen wird, unterliegt der Schweigepflicht – Sie können sich also darauf verlassen, dass Ihre Geschichten und Geheimnisse im Raum bleiben. Die Beziehung zum Therapeuten ist von Respekt und Empathie geprägt, sodass Sie einen geschützten Raum haben, um auch schwierigste Themen anzusprechen.